Samstag, 25. September 2010

Dienstag, 21. Juli Tag 13, 21,4 Km

Hornillos del Camino


Eigentlich hätten wir an diesem Morgen so richtig lang schlafen können, wären da nicht die "wilden Stiere von Burgos" gewesen, denn pünktlich um sechs Uhr erklang aus der Lautsprecheranlage die Stimme der Hospitalera mit den Worten "auf geht’s Peregrinos die Stiere sind los", und das im fünf Minuten Takt. So kam es, das wir im ersten Tageslicht die Stadt Verliesen.

Sto. Domingo
"Ingeniero del Camino"
Dem Jacobsweg folgend, vorbei an der Kathedrale gingen wir dem neuen Tag entgegen, gespannt auf die Meseta und als wir durch das Stadttor kamen sahen wir auch den ersten Supermercado, keine 500 m von der Herberge entfernt, direkt am Jacobsweg lachte uns das Schaufenster an, oder etwa aus? Egal wir brauchten nur noch ein Brot und das bekamen wir in der Bäckerei gegenüber, gestern hatte ich einfach links mit rechts verwechselt. Vorbei am Priesterseminar und dem Denkmal Santo Domingos als "Ingeniero del Camino" Verliesen wir Burgos nicht ohne in den ausgedehnten Parkanlagen zu Frühstücken, eine passenden Rastplatz fanden wir auch etwas abseits des Hauptweges und da sahen wir auch den Pilger der gestern am späten Nachmittag mit seinem Hund in der Herberge abgewiesen wurde, nun ja die Spanier und Hunde, ein Kapitel für sich, doch das sahen wir schon öfter und werden es auch noch einige male sehen.



Meseta wir kommen, wir freuen uns auf "das flache Land", doch erwarteten nicht, was wir da bekamen, erst einmal begleitete uns wie schon in Navarra und dem Rioja auch hier ein leichter Wind, zwar in Gesicht, doch das war uns egal. In den Oca Bergen habe ich schon gesagt, "der Wind bläst uns entgegen, es ist wie ein Omen, eine leise Warnung, als ob uns die Meseta warnen würde".




Rabé de las Calzadas
Mit jedem Schritt den wir weiter gen Westen zogen vielen auch die düsteren Gedanken des vergangenen Tages von uns ab und wir kamen langsam wieder in Schwung, am frühen Mittag wollten wir in Tadarjos sein, doch das waren nur 11 Km, von insgesamt 22 Km, unterwegs sahen wir auch die "Krebspatientin" wieder, eine junge Frau deren Alter schwer einzuschätzen war, die Haare begannen gerade wieder zu wachsen und dem Körper war die Therapie auch noch anzusehen, ausgemergelt, doch gesund, die Haut hatte schon wieder etwas Farbe. Wir dachten sie gehört zu dem Pilger mit dem Hund, mit dem sie am Ufer des Arlanzón saß, wo wir auch Rast machten, und sich eine junge Tschechin zu uns gesellte, sie war alleine unterwegs und bald verloren wir sie wieder aus den Augen. Sie wollte eine Woche vor uns in Santiago sein und hatte ein anderes Tempo, das war aber nun mal unser Schicksal, 3 Km in der Stunde mehr war nicht drin, noch nicht, denn ich merkte das es mir zusehends leichter viel, nicht schneller gehen sondern länger, das aber erst später, viel später.



Kapelle in Rabe de las Calzada
Die Rast in Tadarjos nutzten wir nochmal und gönnten uns eine Flasche Orangenbrause (Naranacia) und in Rabe del Calcadas nach 2 weiteren Kilometern machten wir Siesta, bevor es an den letzten Teil, 11 Kilometer nach Hornillos ging, ein Risiko, denn in Hornillos gibt es nur eine Herberge mit 30 Betten und 14 Notbetten und das nächste Dorf war weitere 11 Km entfernt.



Bildunterschrift hinzufügen
Wenn wir eins gelernt haben, ist es "wenn die Grillen anfangen zu zirpen, musst du von der Straße sein", eine alte Pilgerweisheit, spätestens aber um 14°°Uhr sollte man sich verzupft haben, alles was dann kommt ist eine Quälerei, so kamen wir gegen 16°° Uhr in Hornillos an und prompt war auch alles "Completo", wir sahen uns schon im Geiste die nächsten 11 Km gehen als uns eine Frau zurückrief und in ein Nebengebäude führte in dem die Notbetten standen und unser "Nachtleben" war gerettet, eine aufgeführte Einkaufsmöglichkeit suchten wir vergebens, doch das war das kleinere Übel, dafür hatten wir eine Begegnung der besonderen Art die uns bis zum Schluss begleiten sollte.



Hornillos del Camino
Wir hatten es uns gerade gemütlich gemacht, als ein alter Italiener neben mir im Bett einquartiert wurde, er warf seinen, nicht allzu großen Rucksack aufs Bett und verließ das Refugio Richtung Bodega "und da ward er gesehen", kurz vor 22°°Uhr (Nachtruhe in Refugios) kam er zurück und warf sich mitsamt seinen Kleidern aufs Bett und schlief auch sofort mit leisem Schnarchen ein "der alte Italiener" er hatte seinen Namen weg und ich dachte " was für eine Sau", eines dieser Vorurteile die man im Leben trifft um es wieder zu revidieren. So schlief ich ein, Caro in das Reich der Träume folgend.

Mittwoch, 22. Juli Tag 14, 20,8 Km

Castrojeriz



Das Nebengebäude der Herberge
Die deutschen "Bicigrinos" die gestern Abend noch kamen sind schon unterwegs als wir aufwachen, Respekt und das ganz ohne Rascheln, wer hätte das gedacht, wieder einmal ist der Schlafsaal leergefegt, bis auf einen, der alte Italiener, scheint seinen Rausch auszuschlafen, sei´s drum, wir machen uns fertig und ziehen gegen halb acht los.



Immer wieder trifft man auf
kleine Farbtupfer
Wie jeden Morgen pfeife ich mir Zuversicht zu, ja man könnte denken, der pfeift aus dem letzten Loch, aber dazu ist es zu melodisch und noch nicht mal zweistimmig, eine Angewohnheit seit Ventosa, als wir der Österreichischen Hospitalera, morgens beim Aufbruch, auf den Pilgergruß "Buen Camino" mit einem "Ultreia et Suseia" antworteten, was so viel bedeutet wie "bis Santiago und darüber hinaus" und sie meinte, so würde sie auch nicht oft zurückgegrüßt, die wenigsten kennen diesen alten Gruß.

Auf jeden Fall hörte man nur das "klack klackt" unserer Wanderstöcke und mein Ultreia in der "konzertanten Pfeifversion" den Hintergrundchor bildeten tausende von Schwalben mit ihrem Gezwitscher, Caro hatte schon festgestellt das sich die vielen Vögel vor der Hitze des Tages in die Kirchtürme zurückzogen, Nordspanien ist ein Vogelparadies (Fauna Iberica), kein Wunder bei der vielen Natur, selbst in den Dörfern spürt man noch das ursprüngliche, wenig Verkehr, und viele Einheimische die zwischen den Dörfern zu Fuß unterwegs sind, aber ich schweife mal wieder ab!




Die Abzweigung nachSan Bolo
Auf der Höhe von San Bol sahen wir Rimini und den alten Italiener hinter uns, Rimini bog nach San Bol ab und der Italiener folgte dem Jacobsweg und so gemächlich er uns auch folgte, überholte er uns eine halbe Stunde später.









Hontanas
Die Meseta suchten wir an diesem Tag vergebens, zumindest so wie wir sie uns vorstellten, so zogen wir Hontanas entgegen,




"el Puntito"
 11 Km gesäumt von abgeernteten Weizenfeldern, und da sahen wir auch was dieses Vogelparadies ausmacht, denn zwischen den oft kilometerlangen Feldern liegen kleine, manchmal auch etwas größere Hecken, ideale Nistplätze und wenn ein Jacobsweg daran vorbeifügte hier und da auch ein schattiger Rastplatz mit Bänken, auf jeden Fall aber ein Platz zum Verweilen. Gegen 11 Uhr kamen wir nach Hontanas, wo wir uns unser erstes Bogadillo gönnten und dazu eine Ecke Toblerone, dazu frisches Brunnenwasser, von dem immer und im Überfluss reichlich vorhanden ist. Schon der Weg von dem Plateau hinab nach Hontanas ist ein Traum geschweige denn der Ort selbst. Hier setzte sich eine ältere Spanierin zu uns, ein kurzer Austausch über das woher und wohin, sie kein Deutsch und Englisch und wir kein Spanisch, zumindest aber wenig, nun sie hielt die Sätze grammatisch einfach und ich versuchte alles zu verstehen und antwortete mit ja oder nein, auf jeden Fall fragte sie mich wir Papa und Tochter sind und wie alt, was ich auch beantworten konnte und auf die Frage wie alt ich sie Schätzen würde meine ich, so Mitte sechzig, vage, sehr vage, sie lachte und meinte 82 aber sie würde langsam gehen keine großen Etappen vor allem aber gegen den Widerstand Ihrer Tochter.


Grüne Inseln inmitten
abgeernteter Weizenfelder



Eine Ruine am Wegesrand
Sie ist hier in der Gegend (Castrojeriz) aufgewachsen lebe aber Ihr ganzes Leben in San Sebastian, welches ja ein viel besseres Klima hätte als die Meseta; die Meseta, da war es wieder "dieses böse, böse Wort", den ganzen Morgen dachten wir nicht dran, doch nun hatte es uns wieder eingeholt, die Spanierin zog weiter und wir machten uns auch auf den Weg, im Gehen sahen wir noch wie eine Österreicherin so Mitte der Fünfzig sich mit Ihrem Mann, der Ihr zuvor auf dem Camino entgegen kam, Richtung Ortsende ging wo ein Wohnmobil stand, er begleitete seine Frau mit dem Mobil und sie lief den Weg, eine angenehme aber durchaus nicht verwerfliche Art den Weg zu gehen.







Kult
San Anton
Für uns ging es weiter nach San Anton 8 Km schöner Schotterweg, wir waren ziemlich alleine, um nicht zu sagen, mal wieder die letzten. Vorbei an einem halbzerfallenen Turm, von dem ich zuerst dachte es sei San Anton, führte ein malerischer Weg Richtung Castrojeriz um dann ungefähr 3,5 Km vor der Stadt auf die Landstraße zu führen, wieder einmal auf heißem Asphalt gehen, na ja, wenigstens ins Gesicht blies uns, wenn auch warmer, Wind während ich zu Beginn der Landstraße mich erst einmal auf einem Baumstumpf niederlies trottete Caroline weiter, bis ich sie aus den Augen verlor und erst wieder kurz vor San Anton aufholte, wo wir vor Staunen stehen blieben, denn die Landstraße führte durch das Mittelschiff der ehemaligen Kirche, wir gönnten uns ne Cola und betrachteten uns die Ruine mit dazugehörigen Herberge, ein Insidertip, doch wir zogen weiter, im Gehen sahen wir "unsere" Krebspatientin, sie saß beim Hospitalero und trank Cafe con Leche. Eine Stunde waren wir in Castrojeriz und standen vor der ersten Herberge, geschlossen, für die nächsten drei Tage, ich vermute Wanzen, der einzige Grund, warum Herbergen immer wieder einmal für 2, 3 Tage geschlossen werden. Als wir dann zur zweiten kamen war diese "Completo" und aus den Augenwinkeln sah ich vorne an der Kreuzung 3 Pilger um die Ecke biegen, ich überlegte nicht lange denn jetzt hieß es handeln, denn es gab jetzt nur noch das Refugio und da sollten wir schon ein Bett ergattern denn in den nächsten Ort war es zu weit, immerhin 10 Km und Nachmittags um vier.





Refugio Bei Resti
So ging es schnellen Schrittes durch die Stadt und dem Refugio entgegen, doch die Eile war umsonst, es waren noch genügend Betten frei, nachdem wir die Refugio Regeln über uns ergehen ließen konnten wir uns häuslich einrichten und einkaufen, doch bevor in den Supermercado aufbrachen warf sich jemand mir gegenüber aufs Bett und ich blickte in das breite lächeln des „alten Italieners“, und mir entfuhr spontan "Hola, bon Jorno Signore! Comes Tai? " bevor ich merkte dass ich Ihn auf Italienisch ansprach, antwortete er mit "ah Hola, bene, bene" ich sagte "va bene"


Im Supermercado deckten wir uns mit Konserven ein und setzten uns auf die Plaza Major auf eine Bank um zu essen, nachdem sich der Wind zu einem kleinen Sandsturm aufbaute gingen wir wieder zurück zum Refugio, wo wir auf Hennes und seinen Kumpel stießen die sich auch hier einquartiert haben, alleine, das schwedische Paar fehlte, mal wieder ein Grund für Caro, sich über die Kurzlebigkeit der "Camino Bekanntschaften" Gedanken zu machen.

So neigte sich auch dieser Tag dem Ende entgegen und wir zogen uns zurück währen draußen der Sturm tobte.







Donnerstag, 23. Juli Tag 15, 20,1 Km

Boadillo del Camino

Als an diesem Morgen klassische Musik erklang wusste ich, wir sind in der richtigen Herberge, ich hatte von dem „verrückten Hospitalero“ gehört, aber nicht mehr daran gedacht, das Refugio war dafür bekannt das man morgens mit klassischer Musik geweckt wird, nun erfuhren wir es am eigenen Leib, den Wanzen sei´s gedankt, denn hätten sie nicht die erste Herberge blockiert wären wir nicht in diesen Genuss gekommen, auch musste ich dem „alten Italiener“ Abbitte leisten, denn ich sah, wie er, nachdem er wieder einmal eine Nacht mit seinen Klamotten im Bett verbrachte, am Morgen aus der Dusche kam, in seinem Rucksack kramte, neue Kleider rausholte, sich umzog, die alten in den Rucksack stopfte und e´voila, genauso aussah wie vorher, das alte Schlitzohr hatte 2 gleiche Garnituren Kleider dabei, auf die Idee muss man erst mal kommen.

Zum Frühstück wurden wir hoch in den ersten Stock gerufen und da sahen wir noch einen Schlafsaal mit etwa 20 Betten, und einem geräumigen Frühstücksraum, wir bekamen eine „Cafe con Leche“ und ich flüsterte Caro zu, „trink um Gotteswillen diese Brühe“ denn sie wurde aus einem Topf geschöpft in dem etwas Kaffeeähnliches mit Milch angerührt war, doch zu unserer Überraschung schmeckte sie gut, selbst für mich als „Cafe solo Trinker“ , Caro fand Geschmack an „Cafe con Leche“ und ich musste den Satz „un Café con Leche i un Cafe solo largo“ lernen, der fortan unser Begleiter war. Beim Ausblick aus dem Fenster sahen wir auf eine weite Ebene zu deren linken ein Weg in Richtung eines Hügels mit einem steilen Anstieg führte der sich mehr erahnen als sehen lies und ich sagte zu Caro, bei unserem Glück müssen wir über den Hügel rüber und wenn Gott es sehr gut mit uns meint auf der anderen Seite wieder runter. So Verliesen wir das Refugio, nicht ohne uns noch mal herzlich zu bedanken, mit den Worten das wir noch nie auf dem Camino so gut geschlafen hätten wie hier und wir bestimmt beim nächsten Mal wiederkommen werden, was ja auch stimmte, denn zumindest Schlafens mäßig gehört das Refugio in die Klasse Granon.





Immer weiter Richtung Tafelberg
Wir verließen die Stadt und tatsächlich führte der Weg in Richtung der Anhöhe, doch wir nahmen es gelassen, kurz vor dem Anstieg überholten uns 3 Pilger und bevor wir auch nur einen Fuß Richtung Oben gesetzt haben sind die drei schon auf halber Höhe, es ist zum Verzweifeln, wie machen die das nur und was machen wir falsch!?!?

Als wir endlich die Hälfte erreicht haben sehen wir unten Rimini und den „alten Italiener“ wie sie sich nach der Brücke trennten, Rimini folgte einem Weg der um die Anhöhe herum führte und der Alte folgte uns auf dem Jacobsweg, wir gaben Gas, denn diese „Schmach“ wollten wir nicht über uns ergehen lassen, das er uns überholte. So schafften wir es oben anzukommen bevor wir eingeholt wurden und die Radfahrer die uns vorher überholt haben ihre Rast beendeten.

Wir gingen in Richtung Boadillo und fanden es an der Zeit zu akzeptieren das wir in der Meseta sind, heiß, flach, eintönig , endlos scheinende Weite, nun der Wind war immer noch unser Begleiter und wir sahen Ihn als Segen.




Kurz vor der Anhöhe
„Einen guten Freund den wir jeden Morgen wiedertrafen“, hatten wir erst einmal die letzten Häuser hinter uns gelassen kühlte er unseren Weg, die Landschaft war eher hügelig, so wie wir es von unserer Heimat gewohnt sind, eintönig!? Wenn man die Natur im kleinen sieht, erkennt man sogar in einem abgeernteten Kornfeld verschiedene Farbnuancen und wenn man genau hinschaut hat sich sogar die Vogelwelt verändert, Vogel fliegen höher, das Gezwitscher hat sich verändert hier und da einmal eine Feldlärche die laut lärmend versucht Eindringlinge zu verjagen und die endlose Weite wurde immer wieder durch kleine Hecken, Sträucher und auch kleine Hügel unterbrochen, so dass es uns nie an Abwechslung mangelte und natürlich unseren Freund, den Wind, wir waren nun gut 40 Km hinter Burgos.



So muss Gott die Erde sehen
Wir blickten das Plateau hinab und dachten, so muss Gott die Erde sehen, ausgedehnte Sonnenblumen und Maisfelder umgeben von schier endlosen Weizenfeldern auf denen die Erntemaschinen Tag und Nacht fuhren, dazwischen naturbelassene Hecken und am Horizont sanfte Hügel. Da war sie, die Meseta und sie zeigte sich von Ihrer schönsten Seite, golden im gleißenden Licht der Mittagssonne schimmernd, wie wir sie die nächsten Tage nie mehr sehen sollten, denn mitten drinnen zeigte sie nochmal ein anderes Gesicht, genauso schön, aber anders eben und wir begreifen, es kommt auf den Augenblick an und wie man Ihn sieht.

In der Spontanität des Momentes fällt mir Moses ein, gleiches muss er gesehen haben, als er, nach 40 jähriger Wanderung durch die Sinai, ins gelobte Land blickte und wie unendlich reich können wir uns schätzen „unser“ gelobtes Land betreten zu dürfen, welch eine Gnade lässt uns Gott zuteilwerden ! Vielleicht sind meine Worte etwas übertrieben doch unseren Gefühlen gegenüber sind sie durchaus angemessen und spiegeln sie aus tiefstem Herzen.


Rastplatz vor Itero de la Vega
 
Hügel, ja ich wundere mich, doch es ist tatsächlich so, dass die Meseta zwar im ganzen gesehen flach ist doch sanft wellig und so begleitet uns die nächsten Tage ein stetes auf und ab langgestreckte Anstiege und ebenso langgedehnte Ausläufe, die Kornkammer Spaniens.




Albergue Putzu in Boadillo
"My Albergue is my Castle“, mir klingen die Worte heute noch in den Ohren, Albergue Putzu am Ortsanfang von Boadillo del Camino. Wir rasteten auf der Bank vor der Herberge und sahen drinnen die Krebspatientin an der Bar sitzen, es war einer dieser spanischen Höfe am Ortsrand, als Herberge umgebaut, mit einem gepflegten Innenhof, der Bereich hinter dem Tor war als Bar ausgebaut von wo man über eine gepflegte Rasenanlage zur Herberge kam,

Der junge Mann erklärte uns auf Englisch mit dem wir uns etwas schwer taten das er einen kleinen Shop eingerichtet habe, wo man Lebensmittel kaufen kann, womit unsere Pilgerspaghetti gerettet waren.

Immer wieder machte er uns mit erhobenem Zeigefinger darauf aufmerksam "My Albergue is my Castle"




Heute gibts Pilgerspaghetti
Vor allem aber als er meinte, er sei auch mal Pilger gewesen und kein Pilger könne so schnell laufen, das er Ihn nicht finden würde, ich wollte Ihm schon lautstark Einhalt gebieten, als mir die Japanerin einfiel , die in Belorado am späten Samstagnachmittag nach uns kochte, wir waren schon fertig und hängten unsere Wäsche auf die Leine als wir drinnen einen dumpfen Knall, einen spitzen Schrei und darauffolgend lautes Gepolter hörten, wir sahen uns an und wussten, die Japanerin hätte sich fast mitsamt der Küche beim Versuch den Herd anzuzünden, in die Luft gejagt. So gesehen war seine Besorgnis verständlich.

Wir kauften ein, für sage und schreibe 5 Euro 70 erstanden wir Lebensmittel für eine Riesenportion Pilgerspaghetti. Als wir später auf unseren Betten saßen spürte ich ein Brennen auf meinem Unterarm und ich sah den Biss einer Wanze, aber schon älter, war er nun von hier oder dem Refugio in Castrojeriz, schwer festzustellen, beide waren eigentlich sauber und ich hatte den einzigen Biss, Caro war "clean" so beschloss ich mich, nicht in Panik auszubrechen. So ging auch dieser Tag vorüber und wir freuten uns auf den nächsten Tag da ging es nach Fromista und wir sahen den "Canale Kastillano"

Freitag, 24. Juli Tag 16, 25,8 Km

Carrion de los Condes


Kirche von Boadillo
An diesem Morgen verabschieden wir uns mal wieder mit dem Fotoapparat und erkennen wie unscheinbar die Herberge wirkt, umrahmt von einer hohen Mauer, von vorne sieht man nur das große Tor das am frühen Morgen noch geschlossen ist.



Der Kastillianische Kanal
Die Sonne geht gerade auf als wir uns auf den Weg durch den Ort hinüber zum Kanal machen, dem wir auf drei Km bis zur Schleuse nach Fromista folgen, wo wir rasten und unsere Pilgerspaghetti von gestern frühstücken, bevor wir in die Stadt gehen, wo wir an einem Obststand eine Bank besetzen uns Orangen, Äpfel und Bananen kaufen, nach dem opulenten Frühstück gerade das richtige, so vertrödeln wir eine Stunde bevor wir uns auf den Weg nach Carrion de los Condes machen .



Villacazar de Sirga
Eigentlich wollen wir nach Villacazar de Sirga, aber da stoßen wir am frühen Nachmittag auf eine geschlossene Herberge und die Zeichen des Gemeindearbeiters zu Folge sind wieder einmal die kleinen Krabbeltiere am Werk, schade, denn es ist eine schöne an einer Parkanlage gelegene Herberge. So ziehen wir, nicht ohne an der Bar vor Ortsende zu rasten, weiter.

Als wir dann gegen 17°°Uhr in Carrion ankommen sind wir fertig, die erste Herberge ist "Completo" und wir machen uns auf die Suche nach der Herberge "Espiritu Santo" die wir dann auch nach 15 min. finden, nicht ohne einen Umweg zu machen, so gelangen wir durch den Haupteingang ins Kloster von wo wir über den Hof zu den Gebäuden der Herberge, ein großer Raum mit einstöckigen Betten, geführt werden, Caro übernimmt das Einrichten unserer Betten und ich oute mich als Jäger und Sammler, so begebe ich mich auf Nahrungssuche wo mich der Weg quer durch die Stadt führt über die "Plaza Mayor" hinaus, normalerweise kein Problem, doch heute schmerzt meine rissige Ferse.



Noch 6 Kilometer
So wird es ein schneller Einkauf, im Supermercado der heute mal wirklich einer ist, aber deswegen nicht unbedingt günstiger sehe ich die "Abiturientin" also habe ich an der ersten Herberge doch richtig gesehen, drum fand ich es auch nicht schade das sie besetzt war, nach einem knappen hallo und dem üblichen blabla, ging ich weiter und verschnaufte auf einer Bank auf der Plaza bei einer eiskalten Coke, ein Genuss während ich so über dies und jenes sinniere glaube ich einer Halluzination zu erlegen, ich sehe den "alten Italiener" und in jedem arm hielt er eine junge Frau die direkt aus dem Atelier von Versace entstiegen zu sein schienen.



Im Hof der Herberge
Die Welt ist verrückt, so gehe ich vorbei an den Devotionaliengeschäften zurück zur Herberge, diesmal den direkten Weg zur Neben Pforte, wo Caro eingeschlafen war und ich kurz davor war in die Luft zu gehen, da nichts hergerichtet war geschweige denn schon geduscht, doch sah ich gerade noch rechtzeitig die Abiturientin, was Caro vor einem Anpfiff bewahrte, aber so ist es nun mal, man muss nicht immer alles zu eng sehen schon gar nicht auf dem Camino. Als ich meine Schuhe und Socken auszog sah ich die Bescherung und den Grund für meine Schmerzen, ich hatte mir eine Blase gelaufen und das nach 340 Km, ich war fertig mit der Welt, das ärgerliche daran war das es aus Unachtsamkeit geschah, doch was soll´s, ich schnitt sie auf "entwässerte" sie und klebte ein Pflaster drauf, "wird scho werrn sagt frau Kern" wie man in Süddeutschland sagt.

Nach einem späten Abendessen legten wir uns hin, als eine Ältere Japanerin neben mir auf der Liege begann ihre Gymnastikübungen zu machen, auch draußen im Hof schien kein bisschen ruhe einzukehren, nachdem ein Bus mit vielen Kindern ankam die die Kühle des Abends nutzten um im Hof zu spielen. Doch es war nicht unangenehm, irgendwann konnten wir dann auch einschlafen

Samstag 25.Juli, Tag 17, 18 Km

Calzadilla de la Cueza





Heilige Maria Mutter Gottes
Die Nacht bei den Klarissinnen war zwar kurz aber erholsam, daran konnten sogar lärmende und spielende Kinder die bis nach Mitternacht auf dem Hof tobten nichts ändern, gemächlich und Wert darauf legend unter den letzten zu sein verließen wir das Kloster, eine Nonne rief uns aus dem Fenster zu, wir winkten zurück und als wir dann "Ultreia Pfeifend" von dannen zogen mussten sie doch lächeln. Wir haben nun 18 Km ohne schatten auf einer Schotterpiste vor uns, wir überqueren den Fluss Carrion um die nächsten 5 Km der Landstraße zu folgen, bevor wir auf die Schotterpiste kommen der Via Aquitania, meine Schuhe habe ich schon lange gegen meine alten "Lauflatschen" getauscht, doch das Laufen wird dadurch nicht unbedingt besser, die Blase reibt und habe ich so schon mühe mit Caro Schritt zu halten so war mein versuch an diesem Morgen eher von Verzweiflung geprägt.





Wir verlassen Carrion
 Als wir dann die ersten Kilometer auf der Via hinter uns hatten gab ich auf und zog am nächsten Rastplatz meine Lowas wieder an und es ging wesentlich besser, denn die beschriebene "Schotterpiste" entpuppte sich als "faustgroßesteineschotterpiste" die mit festen Schuhen besser zu bewältigen war. Mein Problem, Caros Problem sollte erst noch kommen, denn mit zunehmender Hitze kamen die kleinen schwarzen Fliegen und die Via war in Kopfhöhe rabenschwarz und diese kleinen Biester setzten sich in jeder Kopföffnung fest.



Auf der Via Aquitania
 Caro lief über Kilometer mit vor dem Kopf wedelnden Händen, und wir waren recht früh in Calzadilla wo wir auch gleich in die erste Herberge am Ortsanfang gingen, wo wir auch prompt mit einem deutschsprachigen Hospitalero belohnt wurden, doch das war an diesem Nachmittag egal, denn keinem von uns war nach reden zumute und wir hingen meist unseren Gedanken nach. Zuerst einmal aber vielen wir nach dem Duschen aufs Bett und gleich ins Koma. Als ich dann wach wurde sah ich das mir gegenüber die Krebspatientin lag zusammengekauert und fest in ihren Schlafsack eingepackt, was mich bei der Hitze wunderte, sie wurde kurz wach, als ich sie mit einem "Hola" grüßte nickte sie nur zurück und schlief weiter.



Die Herberge in Calzadilla
Als wir es uns im Innenhof in den letzten Sonnenstrahlen gemütlich machten, kam noch eine Österreicherin und unterhielt sich mit 2 Pilgern, beide "Rennpilger" und die Österreicherin liefen  gegen die Zeit, man prahlte mit gegenseitigen Rekorden und wie Toll schnell und fit man doch sei, so dass wir es vorzogen uns an dem Gespräch nicht zu beteiligen, da man uns sowieso für Spanier , Papa und Tochter hielt, hatten wir damit auch keinen Stress.
Abends war die Herberge ziemlich leer, die meisten kamen erst kurz vor 22°°Uhr wieder zurück doch da lagen wir schon im Bett. Meine Blase war verarztet und schmerzte auch nicht mehr so toll, woran auch mit Sicherheit meine guten schuhe Ihren Beitrag hatten .

Sonntag, 26. Juli Tag 18, 23 Km

Sahagun





Morgenstund.....!
Sonntag, Trödeltag, so beginnen wir Ihn auch, lange schlafen (halb acht), unterwegs ein "spanisches Frühstück", Cola Light und Kekse ;.)) , Pause an jeder Bank und Rast wo sich nur ein Schatten bietet, gehen wir recht gemächlich, denn wir haben kein Ziel, besser gesagt ein nahes Ziel, nur ca. 16 Km bis San Nicolas ein Klacks für Pilger wie uns doch heute zieht sich alles wie Kaugummi.

In Terradillos de los Templarios sitzen wir an einem Rastplatz und Caro macht den Vorschlag in die Albergue, an der wir vorhin vorbeigegangen sind, zu gehen um zwei Eis zu kaufen.





Spanisches Frühstück
"Ich gehe Eis kaufen" ich traue meinen Ohren nicht, Caro, mitten in Nordspanien und geht freiwillig Eis kaufen, wie gewohnt machen wir uns auf einer Bank breit und genießen das Eis und den Sonntagvormittag, erst als wir das Klingeln eines Autos hören kommt wieder Bewegung in uns, denn "Klingelndes Auto" bedeutet in der Heimat „fliegender Händler“ Lebensmittel, Brot, Wurst Obst, was auch immer, voller Hoffnung machen wir uns auf den Weg und treffen auch vor Ortsende einen LKW, ein "fliegender Obsthändler". Cuatro Bananas, cuatro Naranjas, cuatro Mancanas y cuatro Meloncotones, es kam mir über die Lippen wie einem spanischen Grande, es war unsere Obstration, wenn wir mal die Möglichkeit haben.

Steinkreis vor San Nicholas
Mit all den Vitaminen gestärkt geht es weiter Richtung San Nicolas, wo uns in der Hälfte der Strecke ein Rastplatz mit einem Steinkreis aus kleinen Feldsteinen geradezu zum Verweilen anfleht, wir lassen uns nicht lumpen und gönnen uns eine kleine Obstpause, der Rastplatz liegt in einer kleinen von Bäumen und Büschen bewachsenen Senke die vom Jacobsweg in einer Serpentine durchquert wir, so hört man sich nahende Pilger eher bevor man sie sieht. So trafen wir auf Mariana, zuerst sahen wir Ihren rosa Hut, unter dem sie Ihr, wie von Ratten zerfressenes Haar versteckte, es war "unsere Krebspatientin", sie setzte sich auf die Bank gegenüber des Steinkreises, machte einige Bilder mit Ihrem Handy, als wieder Schritte vom Weg herunter hallten und gleich drauf ein weiterer Pilger zu uns traf.

Hobbits ! Auenland?
Wir kannten ihn vom sehen, seit einigen Tagen sahen wir Ihn mit einer Gruppe Spanier, sie unterhielten sich als uns die Krebspatientin unvermittelt auf Deutsch ansprach, ob wir denn wissen wie weit es noch bis San Nicolas sei, ich schätze das wir etwa in der Mitte der beiden Dörfer waren, worauf sich der Spanier eilig verabschiedete, da er seine Freunde unbedingt noch vor Sahagun einholen wollte. Sahagun, dachte ich, ne is zu weit, noch mindestens 10 km jetzt war es 13°°Uhr, und Sonntag obendrein, so kamen wir mit unserem Gegenüber ins Gespräch über das woher, das wohin war ja nicht schwer zu erraten, Sie erzählte das Ihr Name Mariana ist und Sie in Deutschland in Mannheim geboren ist, aber Ihre Eltern wieder mit Ihr nach Griechenland zurück sind als Sie noch ein Kind war, aber das deutsch ist Ihr geblieben, worauf ich meinte das wir Sie für eine Spanierin hielten doch Sie entgegnete, das Sie Italienisch in der Schule gelernt habe und somit die Verbindung zum Spanisch hatte und das auf dem Jacobsweg vertiefen wolle.



Mittagsrast in San Nicholas
Mariana machte noch einige Bilder, vor allem aber von dem Steinkreis, der Sie faszinierte, als Sie meinte, Sie müsse unbedingt an einen PC im die Bilder herunterzuladen, sonst müsse Sie löschen, auf meine Frage, welche Speicherkarte Sie denn hätte, meinte Sie, es wäre keine Speicherkarte im Handy, ich sah das Sie ein Sony Ericsson hatte, wie ich und so entschloss ich mich Ihr meine Karte zu überlassen, ich hatte 4 GB das reicht für mindestens 2000 Bilder, leider konnte ich sie nicht komplett leermachen, die Musik ließ ich drauf, doch es war immer noch genug Platz. Der Entschluss war schnell gefasst und noch schneller in die Tat umgesetzt, wir hatten genügend Speicherkarten dabei und so fragte ich sie, ob sie mir Ihr Handy mal kurz geben wolle, so vergewisserte ich mich, ob meine Karte auch passt, und überließ Mariana meine Speicherkarte mitsamt der Musik, welche Ihr auch gut gefiel, und so trennte wir uns, eine überglückliche Mariana, die nicht nur endlos Bilder machen konnte sondern auch noch Musik hören konnte.



Und wieder eine "Pilgerautobahn"
So erfuhren wir an diesem Tag das alles seinen Sinn hat, was geschehen soll geschieht und es liegt alleine in Gottes Hand. Wir gingen, mit der Gewissheit, das sich unsere Wege noch öfter kreuzen werden, wie sehr Caro diese Frau in Ihr Herz schloss merkte ich, vor allem in Galizien. Nun, erst einmal mussten wir an diesem Tag noch nach San Nicolas kommen was bei unserem Tempo nicht so einfach war und als wir dann endlich ankamen, saß Mariana und der Spanier, der vorher noch so eilig mit dem Ziel Sahagun aufbrach, vor der Dorf Bar und eine Stimme in mir sagte "setzt euch dazu", was wir auch taten, Mariana freute sich wie ein Kind über die Musik auf der Speicherkarte, aber auch darüber sorgenfrei fotografieren zu können und stellte uns den Spanier vor, sein Name ist Jesus, worauf er meinte, es sei in Spanien ein gängiger Männername, und im Gegensatz zu seinem berühmten Namensgebers wäre er nicht "Jesus am Kreuz" sondern „das Kreuz an Jesus“ und zeigte uns eine Kreuz ähnliche Falte über der Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen, was er von Geburt an habe und seine Mutter zu der Namensgebung bewog.



Rastplatz vor Sahagun
Wir blieben auf ne Cola und ein Schälchen Oliven, bevor wir uns wieder auf den Weg machten, denn die örtliche Herberge befand sich direkt über der Bar vor der wir saßen und das war uns doch zu unruhig, so ging es noch mal auf den Camino und 7 Km weiter nach Sahagun, doch nun mussten wir uns sputen, denn es war mittlerweile 15°°Uhr und die Zeit würde etwas knapp 7 Km bedeuteten 2 Stunden, was bei unserem Tempo keine Garantie war zumal uns die Sonne nun ins Gesicht schien.

Kurz vor der Autobahnunterquerung vor Sahagun noch ein Highlight der besonderen Art, ein Ginsterbusch so groß wie ein Haus, als Beweis stellte sich Caro drunter und ich fotografierte Sie mitsamt dem Busch.

Es war schon nach vier als wir die Autobahn unterquerten und das erste was wir von Sahagun sahen war der weiße Kornspeicher im gleißenden Licht der Nachmittagssonne, zum Greifen nahe, doch wussten wir das dies am Jacobsweg nichts zu bedeuten hatte und wenn ich es bisher nicht erwähnt hatte, nicht weil es nicht erwähnenswert wäre sondern eher deswegen weil wir uns daran gewöhnt hatten und keine großen Worte darüber verloren, Entfernungen scheinen hier näher als sie sind und sind schwer einzuschätzen.



Albergue Viatoris
Der Kornspeicher zeugt noch vom Glanz und Reichtum vergangener Epochen, im 11. Jahrhundert wurde das Kloster von König Alfonso VI von Kastilien, der hier erzogen wurde, mit zahlreichen Schenkungen bedacht. Mit königlichen Privilegien ausgestattet erlebte die Siedlung, die wahrscheinlich auf der alten Römischen Siedlung Camala gründet Ihren Aufstieg den erst zwei Brände und die Säkularisation zunichtemachten.

König Alfonso VI machte aus Sahagun das Cluny Nordspaniens und das Kloster zum mächtigsten am Jacobsweg, als sich aber die Katholischen Könige dem Kloster San Benito in Valladolid zuwandten war der Abstieg des Klosters vorprogrammiert.





Der Schlafsaal aufgeteilt
in Kabinen
Gegen 17°°Uhr waren wir auf einem Rastplatz vor Sahagun wo wir nochmal eine "Obstpause" einlegten um dann weiterzugehen, wir gingen zur Herberge "Viatoris", wo wir auch noch ein Bett bekamen.

Caroline erkundete die Herberge und kam mit der Nachricht das eine Küche vorhanden ist, somit konnten wir unsere Konserven heiß machen, dazu fanden wir im Schrank noch etwas Reis den ein Pilger vor uns zurückgelassen hatte, womit unser Abendessen gerettet war. So ließen wir den Sonntag ruhig ausklingen, von unseren bekannten war niemand hier, doch das störte auch nicht weiter, denn wir würden sie morgen wieder auf dem Camino treffen.





Montag, 27. Juli Tag 19, 18 Km


El Burgo Ranero

Broncepilger vor der
 Touristeninformation
Nach einer ruhigen Nacht die wir eher den Raumtrennungen als der Rücksichtnahme der anderen Pilger, unter denen sich auffallend viele "Pilgertouristen" befinden, zu verdanken haben, Caro nennt sie "Edelpilger".

Ausschlafen, das bedeutet für uns erst um sieben Uhr aufstehen und gegen halb acht die Herberge verlassen, das Frühstück gibt es dann auf der ersten Parkbank, heute Morgen durchqueren wir die Stadt vorbei am Monasterio de Santa Cruz und bevor wir die Stadt über den Cea verlassen finden wir auch eine Bank für unser Frühstück, wozu sich auch noch 2 junge Spanierinnen gesellen, die , wie wir später feststellen, zwar miteinander den Camino gehen aber getrennt laufen, Sie verabreden sich an einem gemeinsamen Ziel und jede läuft ihr Tempo. An den Bronzestatuen am Stadttor fotografieren wir uns noch gegenseitig und eine der Frauen kommt uns zu Hilfe und fotografiert uns gemeinsam.



Vor der Brücke über den Cea
So begeben wir uns über die Cea- Brücke auf die Pilgerpiste und darauf bleiben wir auch, eine schattige Allee, wenn auch nur kleine Schatten, entlang der Nationalstraße, ein eigens für Pilger angelegte mit bewässerten Bäumen bepflanzte Piste , wir hätten anders gehen können, die Nebenstrecke, eigentlich den alten Pilgerweg, doch wir dachten nicht im Traum daran, denn heute ist Montag.

Was es mit dem Montag auf sich hat!? nun, Montag ist einfach nicht unser Tag, ich weiß, wenn man unseren Weg bis hierher verfolgt, ist kein Tag unser Tag, doch die Montage sind ganz schlimm, dementsprechend wenig nehmen wir uns heute vor, El Burgo Ranero ist unser Ziel und da ändert sich auch nichts. So wie man es von uns gewohnt ist laufen wir mal wieder alleine, bis auf die Spätaufsteher und die Frühstücker die uns am Vormittag überholten, doch an einem Montag regen uns noch nicht einmal diejenigen auf, die am Morgen eine Station hinter uns aufbrachen und von denen wir wissen, dass sie noch eine Station weitergehen als wir.



Meilenstein der Superlative
Auch von Mariana, Jesus, Rimini und dem alten Italiener ist nichts zu sehen, geschweige denn von den "Eses" , der "Abiturientin", "Henning und sein Kumpel", aber wenn ich es mir recht überlege haben wir von den "deutschpeoples" seit Freitag nichts mehr gehört, geschweige denn gesehen und das war auch gut so, nicht das die anderen weniger peinlich waren, nur die verstanden wir nicht.

So kamen wir an diesem Nachmittag nach El Burgo und ergatterten doch tatsächlich die letzten beiden Betten und entsprechend groß war unsere Freude als wir feststellten das Mariana auch da war, wir kamen uns nicht so ganz verloren vor, doch ich kann mich nicht beschweren, wir wollten es ja so.




Albergue Municipal in
El Burgo Ranero
Wovon wir aber noch lange zehren sollten ist der Dorfladen, der hält wirklich was der Pilgerführer versprach, eine gute Auswahl an Lebensmittel, einiges an "Pilgernippes" eine freundliche Bedienung und alles zu moderaten Preisen. So gab es an diesem Abend Melone und kalt, die Küche war besetzt, doch kochen wollten wir sowieso nicht, aber unsere Getränke hatten Platz im Kühlschrank., das erste und einzige Mal in 5 Wochen.

Nach 20 Tagen war unser Pilger- Rhythmus geprägt von "nachmittagseinenladensuchenundwaszutrinkenkaufen" ;-) und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich jeden Abend 2 lt. Cola verdrückte, na ja, spätnachmittag bis morgens, Caro genoss die Narancia .

Auf einen mehr oder weniger ereignislosen Tag folgte eine ereignislose Nacht, nur die Spanischen "Touristenpilger" dachten noch über die Sperrstunde hinaus Radau machen zu müssen, doch denen hat Mariana den Zahn gezogen und wir konnten eine ruhige Nacht in dem restaurierten Lehmbau genießen

Dienstag, 28. Juli Tag 20, 39 Km


Leon

Biotop in el Burgo Ranero
20 Km Pilgerpiste, ein Tag wie gestern, einzig erwähnenswertes wären die Erdhügelhäuser in Reliegos die wir am späten Vormittag erreichen, doch eigentlich sind es Weinkeller, sie sehen nur aus wie eine kleine Hobbit Siedlung.




Hobbingen! ....Auenland?
Wir überholen doch tatsächlich die deutsche Familie, die uns am Vormittag hinter sich ließ, zwei Schwestern, die mit vier Kindern unterwegs waren und die älteste der Kinder saß auf einer Bank am Dorfplatz, wo wir auch kurz Rast machten, doch die Zeit trieb uns weiter. So kamen wir gegen 13.15 Uhr nach Mansilla de las Mulas, wessen Name auf den Maultiermarkt zurückzuführen ist und begaben uns auf die Suche nach der Herberge.



Open Range - Weites Land
Es gab nur eine und die lag auf dem Pilgerweg, doch sie war Proppenvoll, im Innenhof herrschte das pure Chaos, auf einem Pappkarton stand sinngemäß: "sucht euch ein leeres Bett, werft Eure Sachen drauf, dann gehört es Euch" bin um 17°° Uhr wieder zurück. Ein sinnloses Unterfangen hier ein Bett zu bekommen und als wir uns gerade umdrehen wollten kam Mariana freudestrahlend, uns auch einmal behilflich sein zu können, doch wir fanden nichts, so verabschiedeten wir uns mit den Worten "morgen in Leon" und Leon ist ein Dorf, glaubt es mir!



Mansilla de las Mulas
Wir suchten das Weite und entschlossen uns mit dem Bus nach Leon zu fahren, die "Estacion de Autobuses" hatten wir schnell gefunden, die Tickets waren schnell gekauft und um halb drei saßen wir im Bus nach Leon, Etappenspringen nannte man das, doch auf das Erlebnis in Mansilla hin hatten wir kein schlechtes Gewissen, nach dem Motto "Wolf wird´s schon richten"



Französischer "Carretero"
Gegen 16°°Uhr waren wir in Leon und als wir die tristen Vororte durchfuhren bereute ich unsere Entscheidung keine Minute, wir erkundigten uns gleich wann es am nächsten Tag wieder weiter ging, denn wir wollten die Stadt auch wieder mit dem Bus verlassen. So kamen wir nach einigem Suchen gegen 17°° Uhr zum Benediktinerkloster und reihten uns in die Schlange ein und bekamen sogar noch zwei Betten, was uns eigentlich wunderte denn das Bettenangebot für eine Stadt wie Leon war nicht sehr groß.




Herberge in Leon
Nachdem wir uns eingerichtet haben machen wir uns auf die Suche nach einem "Burgerladen", Burger King oder Mc Donald, ich hatte es Caro versprochen und ich denke sie hat es auch gebraucht, nach dem wir fündig wurden haben wir auch tatsächlich einen Tagesetat verbraten, nun sei´s drum wir hatten was zu feiern, Halbzeit, wir hatten die Hälfte geschafft und das erste Mal nahm das erreichen unseres Zieles feste Konturen an. Langsam merkten wir auch dass der quälende Schmerz einer freudigen Leichtigkeit wich und wir begannen zu pilgern. Doch der Besuch der Abendandacht holte uns auf den Boden der Realität zurück, hatte man uns bei der Anmeldung unmissverständlich klar gemacht, daß man Wert drauf legt, daß die Pilger an der Andacht teilnehmen.




Kathedrale
Um halb neun im Hof, meine Gedanken waren in Granon, umso tiefer stürzte ich ab, denn es war Welten von dem entfernt was wir da erlebten, so landete ich in kurzen Hosen und Latschen in der Klosterkapelle und ich kam mir ziemlich deplatziert vor.




Mein Strohhut
Der Knaller aber brachte ein Paar mittleren Alters offensichtlich in der Brunft, denn die Geräusche die aus dem zusammenstehenden oberen Etagenbett kamen waren eindeutig.